Wenn einmal mehr Licht gebraucht wird als einem lieb ist,
bleiben einem nur drei Möglichkeiten: ein Stativ benutzen, auf
gut Glück "draufhalten" oder einen Blitz benutzen.
Wie ein Blitzgerät funktioniert und wie man mit ihm arbeitet sei
hier erklärt.
Wie funktioniert ein
Blitz?
Die Funktionsweise eines
Blitzgerätes ist hier anhand der Schaltskizze veranschaulicht.
Auch aktuelle "computergesteuerte" Blitzgeräte sind so
aufgebaut.
Beim Elektronenblitzgerät wird der Gleichstrom eines kleinen
Akkumulators mit Hilfe einer Transistorschaltung (eines
Sperrschwingers) in Wechselstrom umgeformt.
Im Transformator wird die Spannung von einigen Volt auf etwa 500
Volt hochtransformiert. Ein Gleichrichter verwandelt die
Wechselspannung wieder in Gleichspannung.
Mit der gleichgerichteten Hochspannung wird der Blitzkondensator
geladen, dessen beide Pole mit den Elektroden der Blitzröhre
verbunden sind.
Beim Auslösen entlädt sich ein kleiner Zündkondensator über die
Primärwicklung der Zündspule. Ähnlich wie bei einer
Autozündspule wird dadurch ein Hochspannungsimpuls von 10.000
Volt in der Sekundärwicklung erregt.
Diese Spannung liegt zwischen Zündelektrode und Kathode der
Blitzröhre. Die Edelgasfüllung im Glaswendel der Blitzröhre wird
dabei elektrisch leitend und der Blitzkondensator kann sich nun
über die leitende Gasfüllung entladen.
Das geschieht in etwa einer tausendstel Sekunde, wobei das Gas
blitzartig aufleuchtet.
Wenige Sekunden später hat sich der Blitzkondensator wieder
aufgeladen. Das Blitzgerät ist nun für die nächste Aufnahme
bereit.

Grundsätzlicher Schaltplan für einen Fotoblitz.
Wie sich Licht ausbreitet
Das Licht, das vom Blitzgerät emittiert
wird, leuchtet einen um so größeren
Bereich aus, je weiter das Objekt vom Blitz entfernt ist.
Der Lichtkegel bedeckt somit eine Fläche, die etwa mit dem
Quadrat der Entfernung zur Lichtquelle wächst.
Oder einfacher ausgedrückt: verdoppelt sich die Entfernung zum
zu fotografierenden Objekt, vervierfacht sich die vom Blitz
ausgeleuchtete Fläche.
Das hat zur Folge, daß vier mal so lang belichtet, oder die
Blende um zwei Stufen weiter aufgemacht werden muß.
Welche Fläche wird in Abhängigkeit
von der Entfernung ausgeleuchtet?
Gegeben:
einfacher Abstand: 5m - ausgeleuchtete Fläche: 4m x 4m
-> a = 2m
doppelter Abstand:10m - ausgeleuchtete Fläche: a' = ?

Den Abstrahlwinkel
α
bestimmen:
|
tan α = |
Gegenkathete |
= |
2m |
|
|
Ankatete |
5 m |
|
tan α = 0,4 => α = 21,80°
Seitenlänge des ausgeleuchteten Bereiches bei
doppelten Abstand bestimmen:
|
sin α = |
Gegenkathete |
|
Hypotenuse |
Gegenkatete =
sin α x Ankatete
a` =
sin α x Ankatete
a` =
sin 21,80° x 10m
a` = 3,71 m
Fläche des ausgeleuchteten Bereiches bei einfachen Abstand:
(2 m x 2)² = 16 m²
Fläche des ausgeleuchteten Bereiches bei
doppelten Abstand:
(3,71 m x 2)² = 55,06
m²
oder grob 64m²
|

Die Seitenlänge des
ausgeleuchteten Quadrates verdoppelt sich, wenn sich die
Entfernung zur Lichtquelle verdoppelt. Mit der Entfernungsverdopplung verringert sich
die
Lichtintensität um den Faktor 4, da die auszuleuchtende
Fläche vervierfacht wird.
|
Synchronisationszeit des Blitzes
Als Blitzsynchronisation bezeichnet man das automatische Synchronisieren des
Zündens des Blitzgeräts mit dem Ablauf des Verschlusses. Sie gewährleistet, daß
der Verschluß während der Brenndauer des Blitzes das volle Filmfenster freigibt.
Die Blitzsynchronzeit ist die kürzeste Belichtungszeit, mit der man den Blitz
benutzen kann. Diese Zeit ist ein von der Kamerakonstruktion vorgegebener
Parameter, der sich nicht verändern läßt. Typische Blitzsynchronzeiten
sind 1/60, 1/125 oder 1/250 Sekunde.
Die Belichtungszeit muß daher gleich oder länger als die Blitzsynchronzeit sein.
Andernfalls fällt das Blitzlicht ganz oder teilweise auf den Verschluß und nicht
auf den Film. Dies führt dazu, daß Bilder nur teilweise oder gar nicht
belichtet werden.
Da der Blitz nur einige tausendstel Sekunden leuchtet, kommen trotz der relativ
langen Belichtungszeiten scharfe Fotos zustande - auch von schnell bewegten
Motiven.
Eine Blitzlichtaufnahme läuft wie folgt ab:
1) Erster Vorhang öffnet sich
2) Erster Vorhang ist vollständig geöffnet
3) Blitz wird ausgelöst
4) Pause
5) Zweiter Vorhang schließt sich
6) Blitz lädt wieder

|
Die Bilder zeigen Blitzaufnahmen bei einem Tuchverschluß mit einer
Blitzsynchronzeit von 1/60sec.
Bei der zweiten Aufnahme ist die Belichtungszeit und die
Blitzsynchronzeit korrekt auf 1/60 Sekunde eingestellt.
Bei allen weiteren Aufnahmen ist die Belichtungszeit zu kurz
eingestellt.
Der Vorhang schließ sich, bevor der Blitz gezündet hat. Der
Blitz hätte in diesen Fällen keine Wirkung. |
Wie weit kann ich blitzen?
Es gibt mehrere Maßeinheiten
für die Lichtintensität eines Fotoblitzes. Sie sind aber
allesamt zu spezifisch, als daß man sie in der angewandten
Fotografie einsetzen kann.
Daher wurde eine "Hilfseinheit" die sogenannte Leitzahl
eingeführt. Die Leitzahl gibt den Abstand zu einem Objekt in
Meter an, in dem das Objekt
korrekt belichtet wird. Der Wert bezieht sich auf einen ISO 100
Film bei Blende 1,0 und einer Brennweite von 50 mm.
Die Formel für die Leitzahl bei einem ISO 100 Film ist:
Leitzahl = Entfernung zum
Motiv [m] x Blende
oder
Entfernung zum Motiv [m] = Leitzahl / Blende
oder
Blende = Leitzahl / Entfernung zum Motiv [m]
Mit einem vollständig manuellen Blitzgerät oder bei
einem auf "manuell" gestellten elektronischem Blitz läßt sich anhand der
Filmempfindlichkeit, der Leitzahl und der Entfernung zum Objekt
die notwendige Blende berechnen:
z.B.:
Entfernung: 10m
Leitzahl: 45
Filmempfindlichkeit: 100 ASA
Blende = Leitzahl / Entfernung zum Motiv [m] = 45 / 10m = 4,5
Korrektur der Leitzahl bei anderen Filmempfindlichkeiten
Die Leitzahl wird meist für
ISO 100 angegeben.
Jede Verdoppelung der ASA-Zahl (ISO-Zahl) steigert die Leitzahl
um Faktor 1,4 oder genauer um √2.
Die Halbierung der ISO-Zahl reduziert die Leitzahl um Faktor
1,41 oder √2.
Die Leitzahl muß daher für einen gegebenen Film wie folgt
korrigiert werden:
| Filmempfindlichkeit
|
Korrigierte
Leitzahl |
| ISO 50 |
Leitzahl / √2 oder (1,41)
|
| ISO 100 |
Leitzahl wie
angegeben |
| ISO 200 |
Leitzahl * √2 oder
(1,41) |
| ISO 400 |
Leitzahl * 2 |
| ISO 800 |
Leitzahl * 2 * √2
oder (1,41) |
| ISO 1600 |
Leitzahl * 4 |
|
|
Leitzahlen eines
Blitzgeräts mit Leitzahl 45 bei verschiedenen ASA-Zahlen.
|
| ASA |
50 |
100 |
200 |
400 |
800 |
1600 |
3200 |
| Leitzahl |
32 |
45 |
64 |
90 |
128 |
180 |
256 |
| Reichweite [m] bei
Blende 4 |
8 |
11 |
16 |
22 |
32 |
45 |
64 |
|
Korrekturen der Leitzahl
Die Leitzahl ist kein absoluter Wert, der unter allen
Umständen gültig ist. Hier steht zusammenfassend, wie die Leitzahl unter bestimmten
Bedingungen korrigiert werden muß.
| Umstand, der zur Korrektur führt |
Leitzahl-Korrektur |
Blendenkorrektur |
| Nachts im Freien,
sehr große Räume, Kirchenschiffe |
Leitzahl durch 1,4 teilen |
Blende 1 Stufe öffnen |
| große Wohnräume, dunkle Wände |
Leitzahl durch 1,19 teilen |
Blende ½ Stufe öffnen |
| Kleine, sehr helle Räume |
Leitzahl mal 1,4 |
Blende 1 Stufe schließen |
| Abstand des Blitzlichts 1,20 m bis 60 cm |
Leitzahl durch 1,19 teilen |
Blende ½ Stufe öffnen |
| Reflektor blitzt indirekt auf weiße Zimmerdecke in
bis zu 2,50 m Höhe |
Leitzahl durch 9 teilen |
Blende 3 Stufen öffnen |
| Negativfilm, Blitz als Seiten-, Streif- und
Gegenlicht |
Leitzahl durch 1,4 bis 2 teilen |
Blende 1 bis 2 Stufen öffnen |
| Doppelte ASA-Zahl (ISO-Zahl) |
Leitzahl mal 1,41 (√2) |
1 Blende schließen |
| Halbe ASA-Zahl (ISO-Zahl) |
Leitzahl durch 1,41 (√2) |
1 Blende öffnen |
| 1 DIN mehr |
Leitzahl mal 1,12 |
1/3 Blende schließen |
| 1 DIN weniger |
Leitzahl durch 1,12 |
1/3 Blende öffnen |
© J.Schilling 22.08.2008